Cortisol & Cortisolmangel

Cortisol wird auch bezeichnet als Hormon des Todes. Cortisol ist zugleich auch ein Hormon des Lebens. Trotz seiner Häufigkeit bleibt der Cortisolmangel oft unerkannt und unbehandelt – was weitreichende Folgen für die Betroffenen haben kann.

Cortisol ist neben Adrenalin das wichtigste Stresshormon; die Wirkung hält wesentlich länger an als beim Adrenalin. Es aktiviert den Stoffwechsel, hebt den Blutzuckerspiegel an, verändert die emotionale Stimmungslage und greift massiv in die Immunabwehr ein. Es wirkt stark entzündungshemmend indem es die die spezifische und unspezifische Immunabwehr blockiert. Auch die Aktivität der NK-Zellen wird gehemmt, wodurch Infektanfälligkeit resultiert.

Cortisolmangel Symptome

Ganz klassisch äußert sich ein Cortisolmangel in andauernder Erschöpfung, die sich auch in Ruhephasen kaum bessert. Oft kommt ein Cortisolmangel Hand in Hand mit einer Nebennierenschwäche, weswegen eine Reihe weiterer Symptome charakteristisch mit Cortisolmangel in Verbindung gebracht werden können, darunter:

  • leichte Depression
  • Lebensmittelallergien und Asthma
  • vermehrte Anstrengungen, den Anforderungen des Tages gerecht zu werden
  • Verminderte Fähigkeit, mit Stress umzugehen
  • trockene und dünne Haut
  • Hypoglykämie (Unterzuckerung)
  • niedrige Körpertemperatur
  • Nervosität
  • Herzklopfen
  • unerklärbarer Haarausfall
  • Abwechselnd Durchfall und Verstopfung
  • Verdauungsstörungen

Diagnose und Behandlung

Einen Cortisolmangel zuverlässig zu diagnostizieren ist nicht ganz so leicht – denn anders als zum Beispiel Adrenalin unterliegt der Cortisolspiegel einer ausgeprägten Tagesrhythmik – was einer isolierten Cortisol-Messung, beispielsweise am Morgen, die Aussagekraft nimmt.

Seit vielen tausend Jahren hängt unser Überleben davon ab, dass bei Gefahr eine maximale Leistung bei Stress bereitgestellt werden kann. Auch wenn die Erschöpfung noch so groß ist, versucht der Organismus eine letzte Reserve aufzubewahren für den Fall, dass Lebensgefahr eintreten könnte. Als Schutzmechanismus schaltet der Körper deshalb auf ein Energiesparprogramm um, damit diese Reserven nicht unnötig verschleudert werden.

Wenn Endokrinologen einen ACTH-Belastungstest durchführen, werden die Not-Reserven und nicht der Grad der Erschöpfung gemessen. Es liegt in der Messmethodik begründet, dass mit endokrinologischen Belastungstests kein durch Nebennierenschwäche begründeter Cortisolmangel dargestellt werden kann.

Die Lösung: Cortisol-Tagesprofil mittels Speicheltest

Anders als Adrenalin wird Cortisol auf Vorrat gebildet und zwar vorwiegend in der zweiten Nachthälfte und steht morgens für die Tagesaktivität und die Stressbewältigung maximal bereit.

Im Lauf des Tages fällt Cortisol bei jedem Menschen ab. Im Falle einer Überforderung der Nebennieren ist der Cortisolabfall am Abend deutlich stärker als normal. In manchen Fällen tritt eine ganz besondere Funktionsstörung auf: Der Körper schüttet morgens besonders viel Cortisol aus, gefolgt von einem Cortisolmangel im späteren Tagesverlauf.

Ein aussagekräftiges Ergebnis bekommt man also am besten dann, wenn man den Cortisolspiegel zu verschiedenen Tageszeiten testet und den Verlauf der Cortisolwerte über den Tag hinweg beobachtet. Hierfür eignet sich am besten ein Speicheltest, der bequem von zuhause aus durchgeführt werden kann.

Behandlung: Das Problem an der Wurzel packen, die Nebenniere stärken

Wenn Sie Ihren Cortisol-Spiegel an einem ruhigen und entspannten Tag messen, werden Sie ein deutlich anderes Ergebnis erhalten, als wenn Sie Cortisol unter Stressbelastung messen. In einer stressreichen Arbeitswoche wird das Cortisol beispielsweise reaktiv „hochgepeitscht“. 

Das liegt daran, dass Stress die Nebennieren-Hormone, zu denen auch Cortisol gehört, beeinflusst – und daraus lässt sich auch bereits die Handlungs- und Behandlungsempfehlung ableiten: Während eine Behandlung mit Cortisol (beispielsweise als Salbe) meist nur kurzfristige Erfolge bringt, sollte zur langfristigen Genesung die Nebenniere gestärkt und so die Nebennierenschwäche beseitigt werden.

Konkrete Empfehlungen und Infos zur Nebennierenschwäche finden Sie im Kapitel „Nebennieren“.

Was tun bei Cortisolüberschuss?

Wird zu viel Cortisol gebildet oder medikamentös verabreicht, kann es schnell zu einem Überschuss kommen. Mögliche Symptome hier sind:

  • Übergewicht
  • Diabetes
  • Osteoporose
  • Hautveränderungen
  • Immundefekte
  • Depression

Wer seinen Cortisolmangel medikamentös behandeln lässt oder aus anderen Gründen einer Cortisolbehandlung unterliegt, sollte deswegen dringend regelmäßig seinen Hormonspiegel prüfen lassen, um nicht versehentlich in einen Überschuss zu geraten.

Weiterführende Artikel zum Thema

Schreiben Sie einen Kommentar